LIEWO-Frage der Woche: Wie müsste der «Kinderstrafe» entgegen gewirkt werden?
Die sogenannte «Kinderstrafe» ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem. Mit der Geburt des ersten Kindes sinken für viele Frauen Pensum, Karrierechancen und langfristig auch die Altersvorsorge.
Erstens braucht es echte Vereinbarkeit. Entscheidend ist eine flexible, qualitativ gute Kinderbetreuung, die sich am realen Arbeitsalltag orientiert. In Liechtenstein sind Angebote noch stark gemeindeabhängig und oft starr organisiert. Eltern müssen ihre Erwerbstätigkeit dem System anpassen statt umgekehrt. Gerade für Teilzeit, Schichtarbeit oder Führungsfunktionen braucht es verlässliche Lösungen auch in Randzeiten und während der Schulferien. Ebenso wichtig sind flexible Arbeitsmodelle.
Zweitens müssen Väter stärker eingebunden werden. Die bezahlte Elternzeit ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist, dass Männer diesen Urlaub beziehen und für Care-Arbeit nutzen. Nur wenn Betreuung und Verantwortung selbstverständlich von beiden Eltern getragen werden, verändern sich Erwartungen in Unternehmen und Gesellschaft nachhaltig.
Drittens braucht es Transparenz mit Augenmass. Für KMU sind freiwillige und praxistaugliche Lohnanalysen denkbar, für grössere Unternehmen – wie auch in der Schweiz – eine verpflichtende Lösung mit möglichst geringem Aufwand.
Wir sind auf dem richtigen Weg, doch echte Lohngleichheit ist noch nicht erreicht und bleibt eine gemeinsame Aufgabe.
01. März 2026, Tanja Cissé, Landtagsabgeordnete Vaterländische Union (VU)