LIEWO-Frage der Woche: Wie bewerten Sie die neue Lohnstatistik?
7401 Franken Medianlohn klingt auf den ersten Blick nach einer ordentlichen Summe. Doch seien wir ehrlich: Sobald diese Zahl veröffentlicht wird, fühlen sich viele im Land eher peinlich berührt, weil ihr eigener Lohn oft deutlich darunter liegt. Die Statistik zeigt das eine, der Geldsäckel erzählt eine andere Geschichte.
Zwar sind die Löhne seit 2022 im Schnitt um über fünf Prozent oder 359 Franken gestiegen, doch die Kluft zwischen Geringverdienern und den acht Prozent, die mehr als 14 000 Franken im Monat verdienen, bleibt enorm.
Immerhin holen Frauen beim Lohn langsam auf. Der Abstand ist um 1,8 Prozentpunkte geschrumpft, ein überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem bleibt ein bitterer Nachgeschmack, wenn man sieht, dass Einheimische im Schnitt 3,5 Prozent weniger verdienen als Zupendler.
Was bei all den Zahlen oft untergeht: Das vermeintlich hohe Lohnniveau schmilzt angesichts der hohen Lebenshaltungskosten in Liechtenstein und der Region schnell dahin. Miete, Krankenkasse und der tägliche Bedarf verschlingen das Lohnplus oft, bevor es überhaupt spürbar wird.
Es ist erfreulich, dass die Kurve nach oben zeigt, doch am Ende zählt nicht der Medianlohn, sondern das, was nach Abzug aller Fixkosten für das echte Leben bleibt. Wir sollten uns von grossen Zahlen nicht blenden lassen, solange viele Menschen jeden Monat knapp über die Runden kommen müssen.
April 2026, Dietmar Hasler, Generalsekretär und Landtagsabgeordneter der VU