LIEWO-Frage der Woche: Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Berichten über das Gefängnis?
Dostojewski stellte sinngemäss fest, dass sich der Grad einer Zivilisation am Umgang mit ihren Gefangenen messen lasse. Die Arbeit des Europäischen Ausschusses zur Verhütung von Folter (CPT) verfolge und schätze ich seit vielen Jahren. Die im gegenständlichen Bericht aufgezeigten unerhörten Mängel gehen weit über das Landesgefängnis hinaus. Ein Armutszeunis. Denn: Die im CPT-Bericht angesprochenen Problembereiche sind keineswegs neu. Seit Jahren weisen Fachpersonen auf Defizite bei der Umsetzung von FU-Massnahmen, auf Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung schutzbedürftiger und inhaftierter Menschen sowie auf Lücken bei der medizinischen Betreuung von Häftlingen mit und ohne psychische Erkrankungen hin. Auch die Diskussion um ein tragfähiges Psychiatriekonzept begleitet die liechtensteinische Politik bereits seit mehreren Legislaturperioden erfolglos. All dies widerspiegelt sich nun eben auch in diesem Bericht. Was meines Erachtens nun endlich ein Schlaglicht auf die Frage nach den Verantwortlichkeiten und den Aufsichts- sowie Kontrollmechanismen der vergangenen Jahre werfen sollte. Zu diskutieren sind aus meiner Sicht die Rollen der Sicherheits- und Justizbehörden, vor allem aber die Rolle des Amtes für Gesundheit muss hier ins Zentrum rücken. Ich hätte mir von der Regierung auf diesen Bericht eine sehr viel stärker handlungsorientierte Reaktion gewünscht. Gerade ein wohlhabendes Land sollte den Anspruch haben, auch und gerade im Umgang mit besonders vulnerablen Menschen in besonderen Situationen höchsten rechtsstaatlichen, menschenrechtlichen und medizinischen Standards zu genügen.
14. Juni 2026, Stv. Landtagsabgeordneter Marc Risch