LIEWO-Frage der Woche: Sollte sich Liechtenstein auf mehr Flüchtende vorbereiten?
Die Situation im Nahen Osten ist besorgniserregend. Konflikte wie dieser zeigen einmal mehr, wie eng globale Krisen auch mit Europa verbunden sind, sei es über Energiepreise, Lieferketten oder Fragen der Sicherheit. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass der Krieg in der Ukraine uns in Bezug auf Schutzsuchende bereits heute unmittelbar betrifft. Es ist richtig, die Lage sorgfältig zu beobachten und sich vorzubereiten. Aktuell gibt es keine Hinweise auf grössere Fluchtbewegungen aus dem Nahen Osten in Richtung Europa. Dennoch wäre es aus meiner Sicht falsch, sich in Sicherheit zu wiegen, denn die Erfahrung aus den Jahren 2015 und 2016 hat gezeigt, wie rasch sich Situationen verändern können.
Die EU hat mit dem Migrations- und Asylpakt wichtige Lehren gezogen. Durch ihn werden europaweit der Aussengrenzschutz verstärkt, die Verfahren beschleunigt und die Solidarität in Europa gestärkt.
Liechtenstein verfügt über keine Schengen-Aussengrenze und ist deshalb nicht primär Ziel grosser Fluchtbewegungen. Gerade deshalb sind wir darauf angewiesen, dass die europäischen Aussengrenzen wirksam geschützt werden und die Verfahren funktionieren. Unser Asylsystem war in den vergangenen Jahren gefordert, hat sich aber als grundsätzlich tragfähig erwiesen. Gleich zeitig zeigt sich, dass viele Asylsuchende, die nach Liechtenstein kommen, bereits in einem anderen europäischen Land um Asyl angesucht haben und entsprechend dorthin zurückverwiesen werden können. Für mich ist klar, Liechtenstein soll seinen Beitrag leisten, solidarisch, aber auch realistisch.
29. März, Dietmar Halser, Landtagsabgeordneter der Vaterländischen Union (VU)