LIEWO-Frage der Woche: Ist Liechtenstein auf mehr Verkehr vorbereitet?
Nein. Wir sind meines Erachtens nicht vorbereitet. Etwas «neidisch» blicke ich über die Grenze. Ich war kürzlich an einem Vortrag des Vereins Move-li, bei dem Stadtbaumeister Gabor Mödlagl das 367-Millionen-Euro-Projekt «Stadttunnel Feldkirch» eindrücklich präsentierte. Gleichzeitig werden dort zahlreiche Massnahmen im Stadtgebiet umgesetzt, die mehr Sicherheit und Raum für sanfte Mobilität schaffen und das bestehende Strassennetz dauerhaft entlasten sollen.
Besonders beeindruckt hat mich die Aussage, dass ein solches Projekt nur dank eines politischen Konsenses über mehrere Wahlperioden hinweg möglich gewesen sei. So etwas wünsche ich mir auch bei uns. Mobilitätsprojekte scheitern bei uns oft daran, dass viele mitreden, aber der gemeinsame Wille fehlt. Die bestehende Infrastruktur stösst bereits heute an ihre Grenzen. Mit dem Stadttunnel Feldkirch sowie dem Wachstum von Bevölkerung und Arbeitsplätzen wird der Druck weiter steigen. Die Regierung nennt zwar einige konkrete Projekte, aber vieles bleibt noch relativ offen, zum Beispiel der Zeitplan oder Aussagen zu Prioritäten. Ein «Turbokreisel» kann Teil der Lösung sein, reicht alleine aber nicht aus. Es braucht einen weiteren Mix aus intelligenter Verkehrslenkung, der Entlastung neuralgischer Punkte und einer besseren Abstimmung mit den Nachbar- regionen.
Gleichzeitig müssen wir den öffentlichen Verkehr konsequent stärken. Die Entwicklungen im St. Galler Rheintal zeigen deutlich, dass attraktive Bahn- und Busangebote genutzt werden. Aber auch der Fahrradverkehr, neue Strassenprojekte und die Frage von Enteignungen werden Teil der Debatte sein müssen. Wichtig ist, dass wir durch gut gemeinte Massnahmen den Transitverkehr nicht zusätzlich fördern.
Mai, Dietmar Hasler, Landtagsabgeordneter der VU